Neben der manuellen Lymphdrainage gibt es noch die sog. apparative Kompression (AIK) bzw.  intermittierende pneumatische Kompression (IPK). Bei der apparativen Kompression können sowohl die Beine als auch die Arme behandelt werden. Hierzu werden bei der Beintherapie die Beine in entsprechende Manschetten gelegt. Hierbei ist auf folgendes zu achten: Es gibt einzelne Beinmanschetten oder aber auch Hosen, die bis über die Hüfte gehen. Ich persönlich habe eine Hose und empfinde diese als sinnvoller und besser, da auch gleich der Bauch – das Zentrum des Lymphsystems – mitbehandelt wird. Man sollte darauf achten, dass man Manschetten/eine Hose mit einem Mehr-Kammer-System bekommt. Die Manschetten bzw. die Hose wird sodann von einem Kompressor mit Luft aufgefüllt.

Ebenso verhält es sich bei der Kompressionstherapie der Arme. Auch hier gibt es wahlweise Manschetten für die Arme oder eine Jacke. Selbst benutze ich eine Jacke, da bei dieser nicht nur die Arme, sondern auch der Bauch und der Rücken mitbehandelt werden. Eine Jacke ist in der Handhabung zwar etwas komplizierter als die Manschetten weil man – je nach Gestaltung der Jacke – eine zweite Person beim Anziehen und Verschließen dieser benötigt.

Die Entstauung erfolgt durch regelmäßiges Auf- und Abpumpen der Luft in den Kammern. Bei einem Mehrkammersystem erfolgt der Ablauf wie folgt: Der Druck kann in den einzelnen Kammern variieren. Er wird aufgebraut, einige Zeit gehalten und dann geht die Luft in die nächste Kammer. Dieses Procedere wiederholt sich, bis alle Kammern gefüllt sind. Es entsteht der Eindruck sich in einem Luftkissen zu befinden. Sobald alle Kammern mit Luft gefüllt sind, wird der Druck für einige Sekunden gehalten und dann wieder weggenommen. Der Druckaufbau bei der Beinbehandlung beginnt an den Füßen und baut sich zum Bauch in auf. Bei der Behandlung der Arme beginnt der Druckaufbau an den Händen. Der Vorgang wiederholt sich für den Zeitraum, der am Kompressor eingestellt wird.

Durch die AIK wird die Tätigkeit der Muskelpumpe unterstützt. Das Blut wird zum Herzen gepumpt und somit wird der Lymphabfluss wieder in Bewegung gebracht. Die Wirkung der AIK ist ähnlich wei bei der Lymphdrainage.

Ersetzt diese Art der Entstauung die Lymphdrainage?

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass durch diese Art der Entstauung die Lymphdrainage nicht ersetzt werden kann. Allerdings bietet sie eine gute Unterstützung für den Fall, dass die Lymphdrainage einmal ausfällt. Vor Vorteil ist sie auch wenn im Sommer die Temperaturen höher sind und man öfter Entstauung möchte, als die Lymphdrainage verordnet wurde. Außer an den Tagen, an denen ich Lymphdrainage habe nutze ich das Gerät täglich.

Höhe des Druckes

Die Stärke der Kompression kann individuell für jeden Patienten eingestellt werden. Um den optimalen Druck für euch zu erarbeiten solltet ihr mit dem behandelnden Arzt oder Physiotherapeuten sprechen. Mittlerweile heißt es: je höher der Druck, desto besser die Wirkung. Wichtig ist, dass der Druck der Kompression für euch angenehm ist. Es dürfen während der AIK keine Schmerzen entstehen. Sollte dies der Fall sein, ist möglicherweise der Druck zu hoch und muss entsprechend angepasst werden.

Dauer der Behandlung

Bei fast allen Geräten ist die Therapiezeit frei wählbar. Ihr könnt euch also nach eurem eigenen Zeitplan richten. In der Regel werden 30 Minuten empfohlen. Ich selbst behandle meine Beine in der Regel 60 Minuten. Oder 30 Minuten Beine und 30 Minuten Arme. Die Arme behandle ich grundsätzlich nur 30 Minuten. Auch hier habe ich 60 Minuten ausprobiert, was allerdings mein Herz-Kreislauf-System nicht so gut verkraftet hat. Mit dem Kompromiss „nur“ 30 Minuten für die Arme komme ich gut zurecht.

Hinweis:

Die AIK sollte nie gleichzeitig für Beine und Arme angewendet werden. Das Herz-Kreislaufsystem wird ansonsten einer zu starken Belastung ausgesetzt.

Nur noch AIK – keine Kompressionsstrümpfe mehr?

Weiter oben habe ich bereits ausgeführt, dass ich die Auffassung vertrete, dass die AIK die Lymphdrainage nicht vollständig ersetzen kann. Neben der Lymphdrainage ausgeführt ist sie eine gute Unterstützung um den Lymphabfluss zu fördern. Auch können durch die AIK Zeiten, in denen die Lymphdrainage ausfällt, überbrückt werden.

Die Kompressionsstrümpfe sollten weiterhin getragen werden. Hierbei ist es unerheblich, ob ihr eine manuelle Lymphdrainage bekommt oder die Entstauung mittels AIK vornehmt. Durch die Kompressionsstrümpfe bleibt der Druck auf die betroffenen Körperteile erhalten und durch diesen Druck wiederum erhaltet ihr den Zustand nach der Entstauung für eine längere Zeit.Das Tragen der Kompressionsstrümpfe ist nach wie vor Pflicht.

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