Aktuell von meiner Reha-Maßnahme im Rehazentrum Bad Nauheim Klinik Taunus möchte ich euch heute einmal schildern, wie der Ablauf des Aufnahmetages ist aber auch, wie ein Tagesablauf während der Maßnahme aussieht.

Vorweg: Eine Reha ist kein Urlaub. Wir Patienten befinden uns in einer Klinik und nicht in einem Hotel. Wir werden während der Behandlungen gefordert, bekommen aber auch genügend Zeit, um zur Ruhe zu kommen.

Die Klinik

Haus 1 | Haus 2

Aufnahmetag

Nach Bad Nauheim bin ich mit dem Pkw angereist, so konnte ich hinsichtlich des Gepäcks und der Uhrzeiten etwas flexibler sein. Parkmöglichkeiten um die Klinik herum gibt es, allerdings stehen hier mittlerweile Parkautomaten. Nachdem ich das Gepäck ausgeladen und den Pkw in einem nahegelegenen Parkhaus untergebracht hatte, ging es los.

Wegen der derzeitigen Corona-Situation ist der Ablauf des „Eincheckens“ anders als sonst. Nachdem ich mich am Empfang gemeldet hatte, musste ich vor der Klinik warten. Wenige Minuten später wurde ich zu einem Corona-Schnelltest abgeholt und erst nach negativem Ergebnis (15 Minuten Wartezeit) durfte ich das Klinikgebäude betreten.

Am Empfang wurde ich noch einmal herzlich begrüßt und bekam die Information, auf welcher Station ich die nächsten drei Wochen wohnen sollte. Da ich bereits 2016 in der Taunus-Klinik eine Reha-Maßnahme durchgeführt habe, kannte ich mich aus. Auf der Station angekommen, bekam ich meine Zimmerschlüssel. Gerade noch konnte ich das Gepäck abstellen und schon ging es los zur ärztlichen Aufnahmeuntersuchung.

Bei dieser wurden die derzeitigen Beschwerden und die folgenden Therapien/Anwendungen besprochen, der Umfang der Beine abgemessen, Blutdruck gemessen und die Einnahme von Medikamenten besprochen. Dies wird wahrscheinlich variieren, da nicht unbedingt jeder noch Medikamente gegen andere Erkrankungen einnehmen muss. Nach der Anamneseerstellung wurde ich von der Ärztin zum EKG geschickt. Froh darüber, dass ich die Klinik bereits kannte, wusste ich genau, wohin ich musste und begegnete unterwegs schon einigen bekannten Gesichtern (Therapeuten und Ärzten/Ärztinnen). Nach dem EKG wurde eine durchaus wichtige Untersuchung durchgeführt. Hierbei handelt es sich um eine Perometermessung. Bei dieser, im Übrigen berührungslosen Untersuchung, stellt man fest, welche Menge an Flüssigkeit sich in den Extremitäten angesammelt hat. Diese Untersuchung wird auch im Rahmen der Abschlussuntersuchungen noch einmal durchgeführt. Dies dient zur Dokumentation der Volumenreduktion. Zu klinischen Zwecken werden Fotos von den betroffenen Extremitäten gemacht. Dies ist kein Muss!


Perometer: Mit dem Perometer wird eine Volumenmessung der Extremitäten durchgeführt. Dies geschieht berührungslos mit Lichtschranken.


Mittags wurde ich im Speisesaal begrüßt und mir ein Tisch für die nächsten Wochen zugewiesen. Auch hier hat sich durch Corona einiges verändert. So müssen vor Betreten des Speisesaals die Hände desinfiziert werden, sodann musste ich Handschuhe anziehen. Diese blieben an, solange man sich am teilweise geöffneten Büffet bediente. Am Tisch durften die Handschuhe und natürlich auch die Maske abgenommen werden. Im Übrigen haben wir innerhalb der Klinik Masken tragen müssen

Nach dem Vormittag hatte ich auch schon Post in meinem „Briefkasten“, nämlich den Plan für die Anwendungen der restlichen Woche.

Der Briefkasten sollte mehrmals am Tag kontrolliert werden, da sich Behandlungspläne ändern können oder aber, weil die Patienten noch zu außerplanmäßigen Untersuchungen gebeten werden.

Tagesablauf

Nachfolgend möchte ich euch einen Tag meiner vierwöchigen Reha schildern. Die Vorbereitungen fangen eigentlich schon am Vorabend an: der Wecker muss gestellt werden, denn an ausschlafen ist nicht zu denken. So wird der Wecker auf 6.15 Uhr gestellt. Der Tag beginnt nach dem Duschen regelmäßig damit, dass alle Patienten in der Zeit zwischen 6.30 Uhr und 7.00 Uhr zum Schwesternzimmer müssen. Dies ist Corona geschuldet. Wir bekommen dort eine neue Maske und die Temperatur wird gemessen. Wer möchte, kann danach sein Gewicht überprüfen. Regelmäßiges Wiegen ist immer für den Montag vorgesehen. An der Waage liegen dann Zettel, die mit den Zimmernummern versehen sind. In die entsprechende Spalte tragen wir unser Gewicht ein. Am besten achtet ihr darauf, beim Wiegen immer leichte Kleidung anzuziehen.

In der Regel denkt wahrscheinlich jetzt jeder, danach gibt es Frühstück. Weit gefehlt, mein Behandlungsplan hat es heute in sich. Nach meinem Besuch im Stationszimmer begebe ich mich zur Wirbelsäulengymnastik und zwar ohne Frühstück! Diese beginnt um 7.00 Uhr. Da auf den Behandlungsplänen sowohl die Anwendungen, die entsprechenden Raumnummern als auch die Therapeuten vermerkt sind, kann ich mir schon vorher ausmalen, was auf mich zukommt. Ich habe gleich eine Therapeutin, die die Patienten richtig gut fordert! Und das ist nicht negativ gemeint. Aus meiner Sicht ist das optimal und es macht Spaß. In dem Raum angekommen werfe ich noch einen Blick aus dem Fenster (wir befinden uns im 6. OG des Hauses) und bewundere den Ausblick. Die Sonne kommt heraus und der Johannisberg ist zum Teil noch mit Wolken/Nebel verhüllt. Schon werde ich in die Realität zurückgeholt und die Wirbelsäulengymnastik beginnt. Diverse Übungen zum Teil auf einem Hocker und zum Teil stehend werden durchgeführt.

Mein Fazit zum Ende der Stunde: Der Therapeutin scheint es auch Spaß gemacht zu haben, denn immer wieder kam der Satz „Und weil es so schööön ist, machen wir das ganze für jede Seite noch fünf Mal“. 🙂

Nun, Spaß beiseite. Es ist tatsächlich mit Anstrengung verbunden, macht aber trotzdem Spaß und in der Regel wird in den Gruppen viel gelacht.

Die im Video gezeigten Übungen kommen den Übungen der Wirbelsäulengymnastik nahe.

Nach 20 Minuten bekomme ich eine Unterschrift auf meinen Behandlungsplan und ich kann weiterziehen. Um 7.30 Uhr bin ich im Speisesaal und werde mein Frühstück einnehmen, allerdings habe ich nicht ganz so viel Zeit dafür. Denn bereits um 8.30 Uhr geht es weiter mit der Hockergymnastik. Das folgende Video gibt euch einen Einblick, wie diese Hockergymnastik aussieht.

Die Hockergymnastik dauert 20 Minuten. Auch hier zeichnet der Therapeut nach Abschluss der Behandlung den Behandlungsplan ab. Dies wird im Übrigen jedes Mal gemacht, wenn man eine Behandlung/Therapie absolviert hat.

Nun habe ich ein wenig Zeit bis zum nächsten Termin. Um 09.50 Uhr beginnt die Lymphdrainage mit anschließender Bandagierung. In meinem Zimmer hole ich das mir am Anfang der Reha übergebene Körbchen mit den Bandagen und einem großen Tuch.

Danach schaue ich noch kurz in meinen Briefkasten. Das sollte man mehrfach am Tag machen, da sich Behandlungspläne auch einmal ändern können. Pünktlich sitze ich in der im Plan vorgegebenen Wartezone. Es sieht noch alles so aus, wie im Jahr 2016; hier hat sich nichts verändert. Die Therapeutin kommt und nun beginnt ein für mich ganz angenehmer Teil, die Lymphdrainage. Die Zeit während der Lymphdrainage könnt ihr nutzen, um ein wenig abzuschalten, oder aber auch für einen Plausch mit der Therapeutin. Für die Lymphdrainage mit dem anschließenden Bandagieren der Extremitäten ist eine Stunde eingeplant.

Nach der Lymphdrainage mit anschließender Bandagierung sehen meine Beine so aus …

Mittlerweile ist es fast 11.00 Uhr, der Folgetermin beginnt um 11.30 Uhr im Gymnastikraum. Ich steige also vom Untergeschoss mit meinen bandagierten Beinen (von den Füßen bis zu den Leisten) die Treppe ins Erdgeschoss hinauf und schaue in meinem Briefkasten nach, ob ich „Hauspost“ bekommen habe. Tatsächlich habe ich eine Einladung der Ernährungsberaterin bekommen, die mich ernährungsmäßig unterstützen möchte. Noch ein kurzer Plausch mit anderen Patientinnen und ich begebe mich – natürlich über die Treppe – ins erste Obergeschoss zum Gymnastiksaal.

Ein Blick auf meinen Plan sagt mir, dass es sich um die Entstauungsgymnastik handelt. Diese mit bandagierten Beinen durchzuführen, verlangt manchen Patienten schon einiges ab. Auch mir fällt es je nach Tagesform mal leichter und mal schwerer. Einen kleinen Unterschied zu meinem vergangenen Aufenthalt 2016 habe ich dahingehend festgestellt, dass nunmehr häufig bei der Gymnastik Musik im Hintergrund abgespielt wird. Dadurch werden die Übungen etwas schneller und – zumindest bin ich der Meinung – die Gruppe dadurch etwas aufgelockerter. Es macht halt mit Musik mehr Spaß. Während der Entstauungsgymnastik fühle ich mich zeitweilig ins Fitness-Studio versetzt, da wir ganz schön gefordert werden. ABER: Es erfolgt regelmäßig der Hinweis durch die Therapeuten, dass jeder bitte nur das macht, was er kann. Wer eine Pause benötigt, eine Übung nicht kann, oder durch die Bandagen extrem gehindert wird, setzt für eine Übung aus und macht bei der nächsten wieder mit. Leider habe ich kein Video bezüglich der Entstauungsgymnastik von dem Team der Taunus-Klinik finden können. Vielleicht sollte ich das einmal anregen. 😊

Auf dem folgenden Video könnt ihr in etwa sehen, wie die Entstauungsgymnastik aussieht. Wer genug Phantasie hat denkt sich die Musik dazu und, dass es etwas schneller abläuft.

Um 12.05 Uhr betrete ich den Speisesaal. Manchmal sieht man seine Tischnachbarn morgens oder mittags nur flüchtig, weil alle unterschiedliche Anwendungen haben. So auch heute, von den vier Personen ist außer mir nur eine anwesend. Vor dem Betreten des Speisesaals muss ich zunächst die Hände desinfizieren, dann Handschuhe anziehen und erst danach kann ich mir Getränke, Salat oder auch das Dessert nehmen. Das Essen selbst wird an den Tisch gebracht. Ich habe die Möglichkeit, morgens beim Frühstück zwischen drei verschiedenen Gerichten zu wählen. Das Essen ist abwechslungsreich und gut.

Nach dem Essen kann ich kurz noch einmal auf mein Zimmer gehen. Um 14.00 Uhr geht es mit einem Vortrag weiter, der maximal eine Stunde in Anspruch nehmen wird. Es handelt sich um das Thema Lipödem/Phlebödem. Danach habe ich Feierabend bzw. anwendungsfreie Zeit.

Feierabend? Ja, aber nur mit dem Programm, das auf dem Behandlungsplan steht. Im Anschluss kommen noch die eigenen Aktivitäten. Ihr habt die Möglichkeit MTT (Gerätetraining) zu machen, euch auf dem Crosstrainer oder dem Laufband zu betätigen oder aber auch ins hauseigene Schwimmbad zu gehen. Für das MTT benötigt ihr eine Einweisung. Ist diese erfolgt, könnt ihr loslegen. Allerdings müsst ihr euch für all die oben genannten Aktivitäten in eine Liste eintragen. Diese liegen am Empfang aus.

Nachfolgend aufgeführte Behandlungen stehen im Übrigen – soweit sie denn erforderlich und mit den Ärzten abgesprochen sind – auf den Behandlungsplänen:

BehandlungenVorträgeGruppen
TerraintrainingEinführungÖdemerkrankung und Schmerz
SchwerbehinderungMuskelentspannung nach Jacobson
Information Bestrumpfung Yoga
Autogenes Training
Bandage-Schulung

Die oben aufgeführten Punkte sind dem für mich erarbeiteten Behandlungsplan entnommen. Sicherlich gibt es noch einige Behandlungen mehr. Da die Krankheitsbilder voneinander abweichen, werden die Behandlungspläne für jeden individuell erstellt. So kommt es vor, dass Mitpatienten entweder mehr oder weniger Behandlungen haben.

Um 17.15 Uhr gibt es Abendessen. Ein Zeitpunkt, an dem wirklich einmal alle Tischnachbarn gemeinsam am Tisch sitzen. Keiner hat mehr Termindruck. Nach dem Abendessen gehe ich in der Regel noch ein paar Schritte durch den der Klinik gegenüberliegenden Park. Eine Aufgabe habe ich nach diesem kleinen Spaziergang noch zu erledigen. Ich muss die Bandagen, die ich bereits vor dem Abendessen abgewickelt habe, ordentlich wieder aufrollen, damit die Therapeutin sie am nächsten Tag nach der Lymphdrainage wieder problemlos auf meine Beine wickeln kann.

Vorher / Nachher 🙂

Die Wickel dürfen nicht zu fest, sollten aber auch nicht zu locker aufgerollt werden. Nach ein paar Tagen habt ihr es im Gefühl, wie sie sein sollen. Die Therapeuten werden sich schon melden, wenn sie ihnen nicht gut genug aufgerollt sind.

Allgemeines

In den ersten Tagen des Aufenthaltes findet außerdem noch ein Klinikrundgang statt, so dass das Suchen der einzelnen Therapieorte, Aufenthaltsräume, Waschmaschinen, Sozialberatung, Verwaltung etc. leichter fällt.

An den Tagen, an denen ich relativ früh „Feierabend“ habe, laufe bzw. wandere ich sehr viel. Bewegen in Kompression bzw. mit Bandagen ist ein absolutes Muss! Nur so kann der Lymphabfluss weiter gefördert werden. Nach der Lymphdrainage mit anschließendem Badagieren macht es wenig Sinn, sich in ein gemütliches Eckchen zu setzen und darauf zu warten, dass der Abend kommt. Leider ist auch oft zu beobachten, dass einige Mitpatienten sich kurz nach dem Bandagieren wieder abwickeln. Auch dies ist wenig sinnvoll und trägt nur dazu bei, dass sich Flüssigkeit weiter im Gewebe festsetzt. Natürlich ist es beschwerlich, sich mit den badagierten Extremitäten zu bewegen. Dies gerade dann, wenn sowohl Arme als auch Beine betroffen und bandagiert sind. Schon nach wenigen Tagen hat man sich daran gewöhnt und es wird ein wenig leichter.

Fazit

Ob Kompression oder in der Reha bandagiert, Sport ist wichtig. Darüber hinaus gilt es auch zu beachten: Jeder macht nur das, was er kann. Auf keinen Fall solltet ihr über die Schmerzgrenze hinausgehen. Diesen Satz werdet ihr im Übrigen in der Taunus-Klinik häufig zu hören bekommen. Wenn ihr all dies ein wenig beachtet, werdet ihr am Ende eurer Reha mit Sicherheit einen Erfolg verbuchen können.

Tipps

  • Turnschuhe, die etwas breiter sind, damit sie auch mit gewickelten Füßen noch passen.
  • Hosen mitbringen, die weiter sind. Es ist wie mit den Turnschuhen. Wenn die Hosen zu eng sind, bekommt ihr sie nicht über die gewickelten Beine.
  • Gehört ihr zu den Patienten, die viel laufen, kann es passieren, dass ihr euch die Haut am oberen Ende der Wickel wund scheuert. Hilfreich ist, am oberen Abschluss der Wickel etwas Watte zu positionieren, damit die Haut geschützt wird.
  • Sollte die Haut in der Form reagieren, dass sie etwas aufquillt, stark gerötet ist und juckt, kann diese mit Sanddorn-Öl eingerieben werden. Hilft relativ schnell und gibt es in Drogeriemärkten.

Wenn ihr Fragen habt, könnt ihr mich gerne über das Kontaktformular anschreiben.

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